Geschichte

Die Geschichte des Prüfsandes, als Normalsand in den frühen Jahren, als Normensand durch deutsche Normen bestimmt und jüngst als Normsand (Standardsand) seitens europäisch harmonisierter Handhabung definiert, ist so vielfältig wie die bald 200-jährige Geschichte des Zementes.

Seit unserem 50-jährigen Betriebsjubiläum im Jahr 2004 halten wir eine geschichtlich geprägte Firmenbroschüre vor, die umfassender als hier möglich, darauf eingeht.

Im Nachfolgenden haben wir für den interessierten Leser einige ausgewählte Ausführungen zusammengestellt.

1877 - 1944

Deutscher Normalsand aus Berlin vom Verbandslabor

Das Jahr 1852 kann in Deutschland als das Jahr der Einführung der Portlandzementfabrikation gelten. Schon Jahre zuvor bemühten sich in den europäischen Staaten namhafte Bindemittelforscher und Fabrikanten um die technische Entwicklung des neuen Bindemittels. Dabei ging es nicht nur um verbesserte Herstellungsverfahren. Es ging schlechthin um dessen optimale chemische Zusammensetzung und auch physikalisch-mechanische Prüfungen. Hierbei wurde frühzeitig erkannt, dass die Prüfung des Portlandzementes allein keine Erkenntnisse hinsichtlich der Qualität bringt und auch kein Vergleich der in den Fabriken unterschiedlich hergestellten Bindemittel möglich ist. So war man schon vor 1855 übereinstimmend der Meinung, dass zur Prüfung ein Mörtel, d.h. ein Bindemittelgemisch, unter Zusatz eines Quarzsandes im Verhältnis 1:3 Gewichtsteilen infrage kommt. Die verschiedenen Sandvorkommen wurden untersucht. Klar war, dass es sich um einen Sand mit sehr hohem Quarzanteil handeln muss, der in seiner Kornzusammensetzung und –verteilung gleichmäßig zusammengesetzt ist und aus einem ausreichend großen Vorkommen gewonnen wird, aus dem dann auch alle Zementproduzenten beliefert werden können. Aus dem Kreis der Zementfabrikanten wurde eine Sandkommission gegründet, die für die Auswahlkriterien zu ständig war. Aus einem Protokoll des Jahres 1880 ist zu entnehmen, dass zur Sicherung der Einheitlichkeit des Prüfverfahrens (Druckfestigkeit) vom Vorstand des Vereins Deutscher Portlandzement-Fabrikanten ein Normalsand aus gesucht wird, der vom Chemischen Laboratorium für die Tonindustrie vorgehalten wird. Für die Entscheidung, welcher Sand für das Prüfverfahren eingesetzt werden sollte, war letztlich der Vertrag der Stettiner Zementfabrik mit der Chamottefabrik Henneberg & Co. betreffend der Pacht des Freienwalder Sandlagers (an der Oder) ausschlaggebend. Dieser Vertrag vom 30.10.1897 sieht vor, dass die Freienwalder Chamottefabrik selbst die Fabrikation des Normalsandes in die Hand nimmt. Die Ansicht der Sandkommission war die, dass die Fabrikation des Normalsandes in größerem Maßstabe in der Weise geschehen muss, dass, nachdem der Sand gewaschen ist, er getrocknet werden muss. Der trockene Sand muss dann auf Sieben mit rüttelnder Bewegung so lange gesiebt werden, bis nichts mehr durchfällt. Es wurden Versuche eingeleitet, wie viel Siebfeines im Natursand zulässig ist, ohne dass dadurch die Festigkeit des eingeschlagenen Probemörtels beeinflusst wird. Es darf angenommen werden, dass sich die Verbandsmit gliedswerke an diese Empfehlung gehalten und den Freienwalder Sand für ihre Zementfestigkeitsprüfungen ein gesetzt haben. Seitens der Sandkommission kannte man zwar diese Feststellungen an, war sich aber im Klaren, dass die Herstellung eines solchen aus dreikörnig gemischten Normalsandes definierter Festlegung praktisch unmöglich ist und darüber hinaus Entmischungen bei der Prüfung nicht aus zu schließen sind.

Im Verlauf der vom Verband veranlassten umfangreichen Untersuchungen und Studien, die schließlich im Dezember 1909 zur Neufassung der Deutschen Normen für einheitliche Lieferung und Prüfung von Portlandzement führten, fällt seitens der Sandkommission die Entscheidung für den aus der Grube Hammerthal bei Freienwalde gewonnenen Natursand. Prüfkriterien sind die Korngröße, die Körnerbeschaffenheit und die Reinheit des Sandes. Im Protokoll der Sandkommission wird vermerkt, dass die Nor malsandbeschaffung durch neue Verträge auf 50 Jahre gesichert ist. Die im Dezember 1909 formulierte und am 16. März 1910 vom Minister der öffentlichen Arbeiten genehmigte Normenfassung war die erste und für alle späteren Neu fas sungen maßgebliche Vorschrift. Sie enthielt die Begriffsklärungen für Portlandzement, Verpackung und Gewicht, Abbinden, Raumbeständigkeit, Feinheit der Mahlung, Festigkeitsproben und Festigkeit, die besonders detailliert beschrieben wurde. Zu allen Abschnitten wurde eine Begründung und Erläuterung gegeben. Erstmals wird der Natursand als deutscher Normensand bezeichnet. Dieser Sand wird im königlichen Materialprüfungsamt Lichterfelde kontrolliert.

Der Verkauf dieses plombierten Deutschen Normensandes hat das Laboratorium des Vereins Deutscher Portland-Zement-Fabrikanten, Karlshorst, übernommen.

Auf die verschiedenen Normentwicklungen gehen wir hier nicht ein.

Ausführungen zur Geschichte des Zementes und schon bald der des Prüfsandes haben wir zu unserem 50. Firmenjubiläum in einer kleinen Festbroschüre zusammengestellt, aus der diese Texte stammen.

1944 - 1990

Normensand westdeutscher Herkunft

Nach 1945 hatte die DIN 1164 in allen vier Besatzungszonen weiterhin Gültigkeit. Eein weiterer Bezug des bisher verwandten Prüfsandes war ausgeschlossen, ganz abgesehen davon, dass die alte Produktionsstätte kriegs bedingt ausgefallen war. Die Vorräte an Normensand  waren bald aufgebraucht.Schwerpunktmäßig begann daher schon 1946/47 im Beckumer Laboratorium die Suche nach geeigneten Natur sanden und deren Gewinnung, um in Beckum einen der DIN 1164 entsprechenden vollwertigen Ersatz der Orginalsande produzieren zu können. Erst nach der Währungsreform 1948 war es möglich, rationelle Lamellen-Trockenöfen und leistungsfähige Doppeldecker Schwingsiebe einzusetzen. Für den „feinen“ Normensand kam wegen seiner hohen Reinheitsund Feinheitsanforderungen eine Eigenherstellung in Beckum nicht in Frage. Dieser Sand wurde von Beginn an in fremder Mühlenanlage unter Aufsicht des Beckumer Laborpersonals in einer speziell dafür geeigneten und mit Quarzmaterial ausgekleideten Rohrmühle hergestellt, in 50 kg-Säcken konfektioniert und zur Auslieferung nach Beckum gefahren. Auch der grobe Normensand wurde in 50 kg-Säcken verpackt, plombiert und zum Versand gebracht. Der Anwender setzte 1 Teil feinen und 2 Teile groben Sandes für seine Mörtelherstellung ein. Die orginalgetreue Qualität der zunächst nur für den Eigenbedarf hergestellten „Beckumer Prüfsande“ veranlasste den Deutschen Normenausschuss im Jahre 1948, diese Sande als Normensand anzuerkennen, das Laboratorium der Westfälischen Zementindustrie in Beckum für die Belieferung des ganzen Bundesgebietes zu autorisieren und die Amtliche Forschungs- und Materialprüfungsanstalt für das Bauwesen an der Technischen Hochschule in Stuttgart mit der Überwachung der laufenden Produktion in Beckum zu beauftragen. Dieses Institut ist auch heute noch für die Fremdüberwachung zuständig. Die Normensand-Produktion erfolgtein Räumen des stillgelegten alten Renfert-Zementwerkes in unmittelbarer Nähe untergebrachten Laboratoriums. Seit dieser Zeit belieferte das Laboratorium bis zur Gründung der Normensand GmbH im Jahre 1954 nicht nur die Laboratorien der deutschen Zementwerke, sondern auch alle ausländischen Zementwerke und Institute, die nach deutschen Normen DIN 1164 prüfen. Im Februar 1951 erfolgte der erste Export von Normensand in die Niederlande. Heute sind Kunden in über 70 Ländern weltweit zu bedienen.

1990 - 2015

Europäisch harmonisierte Norm und CEN-Referenzsand

Bereits im Jahre 1969 wurden die Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft von dieser aufgefordert, technische Grenzen im Handel von Produkten zu beseitigen. Schnell wurde erkannt, dass die Harmonisierung von Prüfmethoden, Zementbestimmungen und -bezeichnungen sowie Verfahren für die Qualitätskontrolle und Übereinstimmung mit Normen den zwischenstaatlichen Handel erleichtern würden.

1973 wurde vom CEN (Comité Européen de Normalisation) das technische Komitee (TC 51) gegründet, welche auf Basis der ISO-Empfehlung R 679 aus dem Jahre 1967 die Prüfmethoden zur mechanischen Festigkeit von Zement umfasste.

In diesem Zusammenhang wurde vom CEMBUREAU ein praktisches Handbuch für Festigkeitsprüfungen entworfen. Dieses nahm Einfluss auf die ersten Entwürfe einer europäisch-harmonisierten Prüfnorm EN 196 Teil 1. Zugleich wurde deutlich, dass die Verwendung eines einzelnen Standardsandes in Europa nicht möglich war und von daher eine Angleichung durch Vorhaltung eines Referenzsandes erfolgen sollte. Dieser Spezialsand sollte mit entsprechendem Vorrat für längere Zeit die Funktion eines Urmeters für den Sand übernehmen.

Grundsätzlich wurde in dieser Zeit erkannt, dass der Prüfsand eine größere Rolle in der Bestimmung der Zementmörtelfestigkeit spielte, als ursprünglich angenommen. In diesem Zusammenhang wurde die Idee eines künstlichen Sandes verworfen. Daraufhin wurden in den Jahren 1970 bis 1976 eine Vielzahl Prüfprogramme zu Natursandvergleichszwecken durchgeführt. Der Deutsche Standardsand er zielte bezüglich der gewünschten Eigenheiten eine gute Platzierung. Als gut eingeführter und erfahrener Hersteller eines europäischen Standardsandes erhielt daher die Normensand GmbH den Auftrag, einen Vor-Vorrat für den Referenzsand zu erstellen. Dieser wurde dann einem umfangreichen internationalen Prüfprogramm unterzogen. Nach erfolgreichem Bestehen dieses Prüfprogrammes wurde der CEN-Referenzsand mit je 1.350 g in einem verschlossenen Glas konfektioniert und für eine lange Haltbarkeit in einen Hartstyroporblock eingeschlossen.

Die erste europäische harmonisierte Zementnorm wurde insofern mit Einführung im Jahre 1990 die DIN EN 196 Teil 1 zur Bestimmungen der Festigkeiten. Die schon seit Jahren international tätige Normensand GmbH erfuhr durch diese Entscheidung eine besondere Aufwertung ihres Geschäftes. Die Lagerbestände des Referenzsandes werden vom DIN Berlin überwacht. Von annähernd 40 Tonnen Lagerbestand, der für einen Zeitraum einer Generation bestimmt war und darüber hinaus ausreichend sein wird, wurde eine kleine Teilmenge international aus gelagert. Die Gesellschafter der Normensand GmbH, allesamt Zementer, entschieden im Jahr 1985, diesen Lagerbestand auf eigene nicht unbeachtliche Kosten zu er stellen, da eine europäische Finanzierung nicht ermöglicht wurde. Schon zum Zeitpunkt der Konfektionierung des CEN-Referenzsandes gab es Hinweise, dass der europäische Referenzsand später den Status eines weltweiten ISO-Referenzsandes gemäß ISO R 679 erlangen sollte. Dieses wird mit dem aus dem Jahre 2002 stammenden Normentwurf DIN EN ISO 679 erneut verdeutlicht. Mit Einführung der Norm im Jahr 1990 ist ein bereits 1964 in der ZKG von Prof. Meyer formulierte Empfehlung auf internationale Vereinheitlichung von Prüfmörteln und Prüfverfahren nach über 26 Jahren umgesetzt worden. Schon hier zeigte sich die zunehmende Internationalisierung der Zemententwicklungen.

Normensand GmbH erstellt weitere Prüfsandprodukte, wie den ASK Analysen-Siebe-Kontrollsand, auf den in dieser geschichtlichen Ausführung ebenso wenig eingegangen wird, wie auf die weitere Internationalisierung in Folge von Grenzöffnungen, das Entstehen von Zement-Weltkonzernen, die Einführung eines ISO-Qualitätsmanagementsystems. Gegenwart und Geschichte der Normensand GmbH, insbesondere ihre langjährig gleichbleibende und vergleichbare Qualität, wird letztlich von den die Gesellschaft tragenden Menschen bestimmt, sie sind ihrem Qualitätsversprechen Garant für eine gute Zukunft.

JahrEreignis
1903/1904Rheinisch-Westfälische Zementwerke in Bochum (inkl. Labor)
1907Gründungsjahr Laboratorium der westfälischen Zementindustrie
1943Geschäftsfortführung im Betriebslaboratorium des Portlandzementwerkes E.Renfert KG, Beckum
1947Neue Entwicklungen von Prüfsand als Ersatz Freienwalder Sande
1948Beckumer Prüfsande vom Deutschen Normenausschuß anerkannt
1954Gründung der NORMENSAND GMBH, Beckum, durch 23 westfälische Zementwerke als Gesellschafter
1958Normensand gemäß neuer DIN-Norm 1164 Ausgabe 1958 (zwei Körnungen)
1978Normsand gemäß neuer DIN 1164 Ausgabe 1978 (drei Körnungen im Beutel)
1980ZEMLABOR, Institut für Baustoffprüfungen, Beckum, geht in privaten Besitz über
1990Normsand gemäß DIN EN 196-T1 als einer der ersten europäisch harmonisierten Norm
1997ISO-Zertifizierung Qualitätssicherungssystem
1998Normensand GmbH im Internet
1999Normensand GmbH sofort in EURO-Währung
2009SMS-Arbeitssicherheitszertifikat der Berufsgenossenschaft
201460 Jahre Normensand GmbH Beckum

Technische Geschäftsführung

JahrName
1954Dr. Menke
1966Dr. Wierig
1975Dr. Loch
1995Dr. Struth
2012Dr. Boos

Wirtschaftsbücher als Spende

Tagsüber produziert und exportiert Antonius Rasche Prüfsande in die Welt. In seiner Freizeit ist er nicht nur Vielleser, er hilft ehrenamtlich regelmäßig auch in der öffentlichen Bücherei Beckum. Bereits vor einigen Jahren stellte er fest, dass dort kaum Wirtschaftsliteratur zu finden ist. Themen wie weltweite freie Handels- und Zollprinzipien interessieren ihn ebenso wie Veränderungen in Produktion und EDV. Er animierte die Geschäftsführung, die Lücke der Wirtschaftsbücher zu schließen und so entstand eine jährliche Sachspende von den 10 besten Büchern dieses Genre im Jahr. Bereits insgesamt 60 Bücher wurden in den vergangenen Jahren überreicht, sie fanden eine gute Annahme. Das Bild zeigt ihn mitten in diesen Büchern. Er wünscht sich, dass die Sachspenden beibehalten werden können.



Broschüre 50 Jahre Normensand

Broschüre zum 50-jährigen Jubiläum der Normensand GmbH inklusive historischem Abriss der Entwicklung von Norm- und Prüfsänden.